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Muttersein darf auch leicht(er) werden

  • Autorenbild: Michaela Paulitsch
    Michaela Paulitsch
  • 3. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Jan.

Vielleicht liest du diese Zeilen, weil du müde bist. Nicht nur körperlich, sondern auf eine tiefere Weise. Vielleicht, weil du merkst, dass dich Dinge schneller aus der Balance bringen als früher. Oder weil du dich fragst, warum du dich so oft zusammenreißen musst – obwohl du dein Kind liebst.


Ich schreibe diesen Text als systemische Psychotherapeutin. Und ich schreibe ihn, weil ich vielen Müttern begegne, die sehr viel tragen. Oft leise, oft selbstverständlich, oft ohne sich selbst darin wirklich wahrzunehmen.


Muttersein bedeutet, dauerhaft in Beziehung zu sein. Zu deinem Kind, zu seinen Bedürfnissen, zu den Menschen um dich herum. Und nicht zuletzt zu den Erwartungen, die von außen an dich herangetragen werden – und zu jenen, die du im Laufe der Zeit verinnerlicht hast.

Viele Mütter sind nicht zu sensibel. Sie sind dauerhaft aufmerksam, verantwortlich, emotional verfügbar. Der innere Schalter steht selten auf "aus". Gedanken laufen weiter, auch wenn der Tag längst vorbei ist. Der Körper kommt kaum zur Ruhe. Dass du dich dabei erschöpft fühlst, ist kein persönliches Versagen. Es ist eine nachvollziehbare Reaktion auf eine anhaltende Beziehungslast.


Und doch fühlt es sich für viele Frauen falsch an, erschöpft zu sein. Viele haben früh gelernt, durchzuhalten, nicht zu klagen, stark zu sein, weiterzumachen. Diese inneren Haltungen sind nicht falsch. Sie helfen oft lange. Irgendwann jedoch beginnen sie, mehr Kraft zu kosten, als sie geben.


In meiner therapeutischen Arbeit höre ich häufig Sätze wie: "Andere schaffen das doch auch." Oder: "Ich müsste dankbarer sein." Oder: "Ich darf mich nicht so anstellen." Das sind selten freundliche Stimmen. Und meist sind es nicht einmal die eigenen. Es sind übernommene Maßstäbe aus einer Kultur, die Leistung höher bewertet als Erschöpfung und Funktionieren höher als innere Wahrheit. Diese Stimmen dürfen hinterfragt werden.

Muttersein ist keine Leistung. Du musst keine ideale Mutter sein. Kinder brauchen keine Perfektion. Sie brauchen Erwachsene, die spürbar sind, ehrlich, beziehungsfähig – auch mit ihren Grenzen. Müde zu sein bedeutet nicht, dass du versagst. Es bedeutet, dass du viel gibst. Und manchmal auch, dass etwas zu wenig Raum bekommt: du selbst.


Vielleicht magst du dir an dieser Stelle einen kurzen Moment der Selbstzuwendung erlauben. Kein Tool, keine Technik, kein "richtig oder falsch". Halte kurz inne. Lege eine Hand dorthin, wo du dich gerade am deutlichsten spürst – vielleicht auf den Bauch, die Brust oder einfach auf den Oberschenkel. Atme einmal bewusst ein und aus. Und dann formuliere innerlich, ganz ehrlich, diesen Satz: "Im Moment ist es für mich anstrengend, weil …" Beende ihn nicht korrekt, nicht lösungsorientiert. Lass ihn einfach stehen. Vielleicht taucht danach ein Gedanke auf wie: "Kein Wunder." Oder: "Es ist gerade viel." Das genügt.


Viele Mütter holen sich erst Unterstützung, wenn die Erschöpfung kaum mehr zu übersehen ist. Dabei kann ein therapeutischer Raum auch früher hilfreich sein – als Ort zum Sortieren, zum Entlasten, zum Wieder-in-Kontakt-Kommen mit sich selbst. Psychotherapie bedeutet nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt. Sie kann bedeuten, dass du dir Begleitung erlaubst, während du viel trägst.


Wenn du dich in diesen Zeilen ein Stück wiedergefunden hast, nimm das ernst – ohne Druck, ohne sofort etwas verändern zu müssen. Vielleicht war dies einfach ein kleiner Moment von Aufmerksamkeit für dich selbst. Und vielleicht ist das heute genug.


Herzlich

Michaela Paulitsch

Systemische Psychotherapeutin

 
 
 

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